Der folgende Artikel ist der Zeitung für Wickede vom Donnerstag, 05.04.2007 entnommen:

   „Viele werden das belächeln, was ich tue“, sagt Antonia Dreyer. Dessen ist sich die 48-jährige Wickederin bewusst. Es gibt Vorurteile und Zweifel, denen sie ausgesetzt ist. Aber das ist der Mutter von drei Kindern „egal“. Denn auf der anderen Seite gibt es auch eine Menge Menschen, denen sie in der Vergangenheit hat helfen können. Und das will sie auch in Zukunft fortsetzen. Deshalb hat sich die lebensfrohe Frau jetzt selbstständig gemacht - als spirituelle Lebensberaterin.

   „Ich bin kein Psychologe und auch kein Arzt“, stellt Antonia Dreyer klar, „aber ich kann mich in Menschen einfühlen, wenn ich ihnen gegenüber sitze; spüren, wo ihre Blockaden sind, wovor sie Angst haben und was sie bedrückt.“

Hilfe bei Partnerschaftsproblemen

   Etwa zehn Jahre ist es her, als die 48-Jährige feststellte, dass sie besondere Fähigkeiten besitzt. „Ich sah Dinge in der Vergangenheit und Zukunft von Menschen, ich konnte ihre Schmerzen fühlen“, berichtet sie. Zu diesem Zeitpunkt begegnete sie auch Kassandra Gehrmann. Heute sind die beiden Frauen eng befreundet. „Aber damals war ich am Ende“, erzählt Kassandra. Die 38-jährige Neheimerin hatte eine gescheiterte Ehe hinter sich, „ich war im Frauenhaus, meinen Kindern ging es richtig schlecht.“ Da hörte sie über eine Freundin von Antonia Dreyer. „Ich rief sie an, und wenig später stand sie vor meiner Tür“, berichtet Kassandra. Mit soviel Mitgefühl und Initiative hatte sie eigentlich nicht gerechnet. „Ich hab damals gedacht, ist ja ganz nett, dass die Frau jetzt hier steht, aber warum sollte sie mir helfen, ausgerechnet mir?“ Und das ganz ohne Gegenleistung. „Ich hatte ja nichts, ich hätte sie nie bezahlen können“, sagt Kassandra. Es folgten mehrere Treffen, zahlreiche Telefonate. „Am Anfang war das richtig unheimlich“, schmunzelt Kassandra, „als wir telefonierten, hat Toni mir zum Beispiel spontan den Sessel beschrieben, in dem ich am Fenster saß oder die Farbe und Beschaffenheit der Blumen auf dem Tisch. Das konnte sie eigentlich ja gar nicht wissen.“

   Für die Familie von Antonia Dreyer war es am Anfang nicht leicht, mit ihren spirituellen Fähigkeiten umzugehen. „Die haben gedacht, ich gehöre in die Klapsmühle“, lacht Antonia Dreyer. Ihren Töchtern sagte sie damals die Schulnoten voraus, „und wenn die beiden mal die Schule geschwänzt haben, hab ich das ganz genau gesehen.“ Mittlerweile gehört das „Hellsehen“ zum Alltag und Leben der Familie. Genau wie die zahlreichen Menschen, die Antonia Dreyer bislang auf ihrem Weg begleitet hat. „Da gab es zum Beispiel ein junges Mädchen, das an Magersucht litt“, erzählt Antonia. Die Ärzte hatten sie eigentlich schon aufgegeben. Ein Mediziner schickte das Mädchen schließlich zu ihr. „Zwar hat es eineinhalb Jahre gedauert, aber wir haben das wieder hingekriegt; heute ist sie gesund“, berichtet die Wickederin.

   Da gab es auch die Frau, die keine Lust mehr am Leben hatte, weil die Partnerschaft, in der sie lebte, sie krank machte. Auch ihr konnte Antonia Dreyer helfen, besuchte sie regelmäßig. „Ja, und dann war da auch noch der Neurochirurg, der plötzlich vor meiner Tür stand und eigentlich nur wissen wollte, was für ein Scharlatan ich bin“, schmunzelt die 48-Jährige. Er bekam eine exklusive Beratung und stellte danach mit einem Fingerzeig gen Himmel anerkennend fest: „Sie holen sich die Dinge offensichtlich von da oben.“

Trauerbegleitung

   Antonia Dreyer selbst hält sich für einen sehr gläubigen Menschen. „Ich bin zwar nicht der Mensch, der ständig in die Kirche rennt“, sagt sie, „aber ich bin sehr christlich eingestellt und glaube an Gott. Diese Tatsache half ihr auch, den Tod ihrer Mutter zu verkraften und zu verarbeiten. Als ihre Mutter vor einiger Zeit gestorben sei, habe sich das angefühlt, als ob ihr der Boden unter den Füßen weggerissen würde, erzählt sie. Aber durch diese Erfahrung sei in ihr auch der Entschluss gereift, sich noch stärker um die Menschen zu kümmern, die „Halt brauchen und suchen“. Der Weg in die Selbstständigkeit war nun die logische Konsequenz. „Obwohl ich vor diesem Schritt richtig Angst hatte“, berichtet die vom Schicksal selbst nicht verschont gebliebene, sympathische Frau. Denn sie selbst wolle sich eigentlich nicht verändern, innerlich so bleiben, wie sie immer gewesen sei - einfach, ehrlich und bodenständig. Deshalb hält sie auch noch an ihrem alten Job fest - als Reinigungskraft bei der Firma Göke in Neheim-Hüsten. „Ich bin dort sehr glücklich und werde deshalb da auch weiterputzen“, sagt sie. „Das bin ich, und so kennt man mich auch.“

Hellsehen, Kartenlegen

   In ihrer Freizeit will sie künftig jedoch ihre Fähigkeiten ausleben - wobei sie sich von dem Begriff „Hellsehen“ eigentlich lieber distanziert. „Wenn sie von Hellsehen und Kartenlegen hören, haben die meisten Menschen Angst oder wittern unseriöses Verhalten“, meint die 48-Jährige und kann das sehr gut verstehen. Zwar greift auch sie bisweilen auf ihre Karten zurück, „aber das ist lediglich Handwerk. Karten sind Symbole, die gedeutet werden müssen, um sich ein Gesamtbild des Menschen, sein Umfeld und seine Familie zu machen“, erklärt Antonia Dreyer. Entscheidend sei das Vertrauen, das man zueinander entwickele - und natürlich der Eindruck, den man hinterlasse. Antonia Dreyer bringt es auf den Punkt: „Wenn die Menschen, mit denen ich zu tun habe, zufrieden sind, bin ich es auch.“ Und das belegen übrigens jede Menge kleiner Dankbarkeitsbekundungen, die die 48-jährige Wickederin im Laufe der Zeit von ihren Kunden erhalten hat: Briefe, Kekse oder Pralinen zu Weihnachten, Blumen zum Geburtstag und sogar eine indianische Kette mit einer Vogelfeder. Diese erhielt die Wickederin als „Dankeschön“ von den Mitgliedern einer bekannten deutschen Pop-Band, die von ihr gehört und in einer schwierigen Lebenssituation ihren Rat gesucht hatten. „Diese Kette bedeutet mir sehr viel“, sagt sie sympathische Wickederin, „sie ist ein Zeichen von Zufriedenheit und Dankbarkeit und sollte mir Glück bringen. Und darauf hoffe ich jetzt natürlich besonders.“

(Ein Artikel von Claudia Scherer)


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